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Schöne Vergänglichkeit.

von Anica Müller2014-10-26

Obwohl der Zierkohl und die Distel in meinem Badezimmer ihre optisch beste Zeit schon hinter sich haben, kann ich mich doch noch nicht von den beiden trennen. Vielleicht weil ich zu faul bin, die Vasen zu säubern, vielleicht aber auch, weil sie mir gerade jeden Morgen beim Zähneputzen den Fakt der Vergänglichkeit symbolisieren.

Mich motiviert das. Ich finde es schade, dass die Vergänglichkeit einen schlechten Ruf hat. Nicht für die Vergänglichkeit, die existiert ja auch ohne Anerkennung. Ich finde es für die Menschen schade, die sich von deren Existenz die Laune verderben lassen.
Mit fortschreitender Lebenszeit sammelt man auch Lebenserfahrung. Weise ist laut Duden ein Synonym für lebenserfahren. Weise sein, heißt auch zu wissen, was einen glücklich macht. Welche Leidenschaften man pflegt. Welche Werte man schätzt.
Und das zu wissen ist unbezahlbar.
Das Altern kostet einen nur die jugendliche Frische, aber es bietet immer auch die Chance auf individuelle Schönheit. Und die kommt im besten Fall von innen und wird mit einem gepflegten äußeren Erscheinungsbild strahlend unterstützt.
So wie bei der Distel und dem Zierkohl. Wer so ästhetisch und inspirierend in meinem Badezimmer vertrocknet und dahinwelkt, der hat doch als Schnittblume alles richtig gemacht. Durchgehend faszinierend, bis zum Ende ihres kurzen Daseins.
Und das motiviert mich. Alles ist noch möglich, der Weg ist das Ziel.

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